Neues Lesen: die Renaissance des Buchleihens

Amazon KDP Select bzw. KOLL Programm am Kindle Fire

Das KOLL-Programm am Kindle Fire App (in Street Art Qualität)

Wir wollen ja nicht sagen, dass wir es mit der MexxBibliothek vormachen – das wäre wohl vermessene Arroganz. Aber was man jedenfalls ohne den Verdacht des ungebührlichen Eigenlobs sagen kann ist, dass Verleihmodelle á la MexxBibliothek in der neuen Welt der eBooks Renaissance erfahren. Beispiel gefällig?

Das von Amazon erst Anfang Dezember letzten Jahres ins Leben gerufene Kindle Direct Publishing (KDP) Select-Programm in Verbindung mit dem Kindle Owners’ Lending Library(KOLL) [hier die Presseankündigung von Amazon und hier der Link zur deutschen KDP Select-Seite] zeigt auf Grundlage der ersten Erfahrungswerte, dass von diesen Verleihmodellen nicht nur die Leser, sondern auch die Verlage und Autoren profitieren.KDP Select in Deutschland

Der US-Blog I love my Kindle hat vor einigen Tagen über die ersten Erfahrungen und Mutmaßungen dieser Amazon-Initiative berichtet. Mutmaßungen müssen deswegen angestellt werden, weil Amazon bekanntlich sehr sparsam mit seinen Inf0rmationen umgeht. Hier kurz die Eckpunkte dieses KDP Select-Programmes:

  • Amazon hat US-$ 500.000 für Autoren und Verlage zur Verfügung gestellt
  • um teilzunehmen müssen Autoren und Verlage ihr Buch bzw. ihre Bücher für die Dauer von 90 Tagen Amazon exklusiv zur Verfügung stellen und zustimmen, dass die Bücher den Mitgliedern des Amazon-Prime-Programmes für Entleihungen zur Verfügung gestellt wurden.
  • die US-$ 500.000 wurden dann im Verhältnis der Anzahl der Ausleihungen pro Buch auf die Autoren und Verlage aufgeteilt

Das hört sich vielleicht kompliziert an, ist es aber nicht. Wie I love my Kindle berichtet, wurden im Dezember 2011 angeblich 295.000 Bücher von den Mitgliedern des Amazon Prime Programmes (Das ist ein Flat Fee Programm wobei Konsumenten US-$ 79 pro Jahr an Amazon zahlen und u.a. einen Kindle haben, also eine Art eBook Flat Rate) ausgeliehen. Dividiert man nun die von Amazon für das KDP Select-Programm zur Verfügung gestellten US-$ 500.000 durch die 295.000 entliehenen eBooks, dann erhielt im Dezember 2011 jeder Autor bzw. Verlag statistisch gesehen US-$ 1,69 pro Buch. Das war die einfache Übung dieser Analyse, jetzt zur Überraschung.

Die Top 10 der teilnehmenden Autoren und Verlage sollen im Dezember mit dem Programm US-$ 70.000 verdient haben UND angeblich eine insgesamte Steigerung ihrer Amazon-Provisionseinnahmen von beeindruckenden 449% erfahren haben. Es stieg im Sog der Verleihung der Bücher auch der Absatz derselben. Daraus, so I love my Kindle, könne geschlossen werden, dass der Buchverleih über Mundpropaganda und Rezensionen den Verkauf von eBooks insgesamt in erstaunlicher Weise fördert. Vielerorts herrscht ja die Befürchtung, dass Bibliotheksmodelle den Verlagen Umsätze kosten könnten. Offensichtlich war auch Amazon von den Erfahrungen im ersten Monat des Programms so angetan, dass es im Januar 2012 die Mittel dafür von US-$ 500.000 um US-$ 200.000 auf insgesamt US-$ 700.000 aufgestockt hat.

Im übrigen: natürlich können auch deutsche Autoren und Verlage daran teilnehmen, solange diese ihr Buch für das Amazon Programm weltweit zur Verfügung stellen. Hier die originale Bewerbung von Amazon für KDP Select:

Sprechen Sie neue Leser an – vermarkten Sie Bücher mithilfe des Buchverleih-Programmes “Kindle Owners’ Lending Library” und sprechen Sie die wachsende Zahl der amerikanischen Amazon Prime Mitglieder an.

Verdienen Sie Tantiemen auf eine ganz neue Weise – verdienen Sie einen Anteil an mindestens 6 Millionen US-Dollar im Jahr 2012, wenn Leser Ihre Bücher aus der “Kindle Owners’ Lending Library” ausleihen.

Bieten Sie Ihr Buch weltweit kostenlos an – das neue Tool “Werbeaktionen verwalten” ermöglicht es Ihnen, selbst Gratis-Werbeaktionen Ihrer Bücher zu verwalten.

Insgesamt, so meinen wir, eine spannende Entwicklung, die man sehr genau beobachten sollte. Eine ähnliche Inititiative für den deutschen Markt wäre wohl auch wünschenswert aber leider haben wir noch kein Amazon Prime Programm. Vielleicht gibt es Sponsoren, die sich dafür interessieren, mit der MexxBibliothek ein ähnliches Projekt für deutsche Autoren und Verlage aufzusetzen? ;)

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2 Pings/Trackbacks für "Neues Lesen: die Renaissance des Buchleihens"
  1. [...] 600.000 für die jene Verlage zur Verfügung, die ihre Bücher im KOLL-Programm anmeldeten [siehe unseren Bericht]. Es ist daher im Kindle-Shop sowohl in der Bücherliste neben den Büchern bzw. beim der konkreten [...]

  2. [...] Traditionell ist das Verhältnis zwischen öffentlichen Bibliotheken und den Verlegern in den USA sehr angespannt und das scheint, wie ich aus persönlicher Wahrnehmung weiß, sogar noch vorsichtig formuliert. Die Verlage befürchten, dass ihnen durch die öffentlichen Bibliotheken Umsätze entgehen, die Bibliotheksbetreiber halten dem Entgegen, dass die Bibliotheken im Gegenteil als “Retail Window für Publishing Industry” dazu beitragen könnten, Autoren und Bücher besser zu vermarkten. Dies sei vor allem auch den Library Patrons (Stammkunden der Bibliotheken) geschuldet, die über eigene Buchkäufe, Rezensionen und Mundpropaganda Marketing für die Bücher betreiben würden bzw. könnten. Darüber hinaus, so die Untersuchung des Library Journals, kaufen 37% der befragten Stammkunden der Bibliotheken ein Buch nachdem sie dieses zunächst von einer Bibliothek entliehen hatten. 67% gaben weiters an, dass sie Bücher von Autoren kaufen würden, die sie über die Bibliothek “kennen- und schätzengelernt” haben. Insofern unterlegt diese Studie die Sicht der Bibliotheken, dass sie Marketing für die Verlagen machen. Die Erfahrung, dass Buchleihen das kommerzielle Geschäft stimulieren können, hat auch Amazon mit seinem Kindle Owner Lending Library (KOLL) gemacht. Darüber haben wir kürzlich berichtet. [...]

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